01
Was Tragwerk und Einbauten im Kühlturm zusetzt
In der Zelle wird Kühlwasser verrieselt, Tragwerk und Einbauten werden dabei nass. Bei der Begehung achten die Behörden auf Beschädigungen und Korrosion, mineralische Ablagerungen, Schmutz- und Schlammablagerungen, raue Oberflächen und Biofilme.
Das Wasser wird mit Chemikalien gegen Ablagerungen, Korrosion und Bewuchs behandelt. Passt die Behandlung nicht zum Werkstoff, greift sie ihn an. Ein Herstellerhandbuch für Stahlkühltürme warnt vor vorzeitiger Korrosion des Zinküberzugs und davor, dass zu viel Chlor Dichtungen und andere Werkstoffe beschädigt. Die Verordnung verlangt deshalb Werkstoffe, die für die Wasserqualität und für Desinfektions- und Reinigungsmittel geeignet sind.
Dazu kommen die Verbindungen: Dasselbe Handbuch lässt die tragenden Schraubverbindungen regelmäßig prüfen und nachziehen.
Belege: 2, 3, 5
02
Wer zuständig ist
Verdunstungskühlanlagen und Kühltürme unterliegen der 42. BImSchV. Der Betreiber sorgt unter anderem dafür, dass Vorkehrungen für regelmäßige Instandhaltungen getroffen sind. Alle fünf Jahre lässt er den ordnungsgemäßen Betrieb von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen oder einer akkreditierten Inspektionsstelle Typ A überprüfen. Die Ergebnisse gehen innerhalb von vier Wochen auch an die Behörde. Als technisches Regelwerk gilt die VDI 2047 Blatt 2.
Gearbeitet wird in der ruhenden Zelle. Wartung nur bei ausgeschaltetem und verriegeltem Ventilatormotor, so das Herstellerhandbuch.
Neben der Hygiene zählt die Bausubstanz. Für Bauwerke in Industrie- und Kraftwerken hat der Kraftwerksverband vgbe energy einen Standard zum Lebenszyklusmanagement herausgegeben, der die VDI 6200 zur regelmäßigen Überprüfung der Standsicherheit umsetzt. Für Arbeiten in Wärmekraftwerken verweist die Berufsgenossenschaft BG ETEM auf die DGUV Regel 103-009 „Wärmekraftwerke und Heizwerke“; wer Anlagenteile betritt oder befährt, braucht danach ein Freigabeverfahren mit Befahrerlaubnis und einen Sicherungsposten außerhalb. Die Schriften im Überblick: Regelwerk Inspektion.
Der Inspektionsbericht ist nicht die Überprüfung. Er zeigt Betreiber und Sachverständigem vorher, wie das Tragwerk aussieht, Stelle für Stelle.
Belege: 1, 2, 4, 5, 7, 8, 10
03
Wie die Zelle klassisch geprüft wird – und was die Drohne beiträgt
Klassisch wird die Zelle begangen. Ein Herstellerhandbuch empfiehlt regelmäßige Sichtprüfungen und einmal im Jahr eine gründliche Inspektion. Unter dem Ventilator ist das Tragwerk aber eng und dunkel, die oberen Bereiche erreicht man nur über Gerüst oder Hubarbeitsbühne. Ob dafür ein Gerüst in der nassen Zelle aufgebaut wird oder eine Hubarbeitsbühne unter den Ventilator fährt und wo dort Absturz droht, klärt vor der Instandhaltung die Gefährdungsbeurteilung (DGUV Information 209-015). Für die Bestandsaufnahme erspart die Drohne diese Höhenarbeit, siehe Befahren und Absturz vermeiden.
Die Drohne fliegt mit eigenem Licht durch das Tragwerk und unter den Ventilator, ohne Gerüst und ohne Hubarbeitsbühne. Die Aufnahme dauert Stunden statt Tage oder Wochen, und in einer geplanten Abschaltung lassen sich mehrere Zellen nacheinander aufnehmen. Jedes Foto hat seine Aufnahmeposition, auffällige Stellen sind im Foto markiert und eingestuft.
Was im Profil, hinter Einbauten oder in einer Verbindung liegt und ob eine Schraube fest sitzt, zeigt die Kamera nicht. Die Bewertung bleibt beim Betreiber und beim Sachverständigen.
Belege: 3, 5, 9
04
Wie instand gesetzt wird – und warum die Aufnahme die Abschaltung stützt
Kühltürme werden in regelmäßigen Abständen gereinigt und desinfiziert. Verschlissene oder beschädigte Bauteile werden ausgetauscht, lockere Schraubverbindungen nachgezogen. Bei verzinktem Stahl genügt es nach Herstellerangabe, vereinzelte Stellen auszubessern, solange die Verzinkung nicht allgemein versagt. Fachfirmen tauschen Tropfenabscheider und Füllkörper und reparieren Beton- und Stahlkonstruktionen. Liegen die Aufnahmen vor der Abschaltung vor, wird ihr Arbeitsumfang planbar, mit Gerüst nur dort, wo es gebraucht wird (Drohneninspektion für Industriedienstleister).
Wer vor der Abschaltung weiß, welche Träger und Stöße auffällig sind, plant Reinigung, Fachfirma und Material für genau diese Stellen. Über die gespeicherten Aufnahmepositionen lassen sich dieselben Träger bei der nächsten Inspektion erneut anfliegen.
Belege: 5, 6