01
Was den Anlagen zusetzt – und warum die Revision kurz sein muss
In der Revision wird ein Kraftwerksblock planmäßig heruntergefahren. Dann laufen die wiederkehrenden Prüfungen nach Gesetzen und Vorschriften. Bei der inneren Prüfung des Kessels sehen Fachleute die Heizflächen auf Korrosion, Erosion und Materialermüdung durch.
Solchen Verschleiß früh zu erkennen, ist Sache der Instandhaltung des Betreibers. Die Musterbedingungen des Versicherungsverbands GDV für die Maschinenversicherung nehmen Schäden durch Abnutzung und korrosive Angriffe grundsätzlich vom Versicherungsschutz aus, mit Rückausnahmen; der einzelne Vertrag kann abweichen. Was ein Inspektionsbericht gegenüber dem Versicherer leisten kann und was nicht, steht unter Inspektionsbericht Versicherung.
Solange der Block steht, erzeugt er keinen Strom. Jede zusätzliche Stunde kostet. Vorher muss das Kesselhaus abkühlen, und für viele Arbeiten werden Gerüste gestellt.
Belege: 5, 6, 7, 9, 14
02
Wer zuständig ist: Betreiber, Prüfer und Regelwerk
Die Betriebssicherheitsverordnung verpflichtet den Arbeitgeber, überwachungsbedürftige Anlagen wiederkehrend auf ihren sicheren Zustand prüfen zu lassen. Ihr Anhang zu Druckanlagen erfasst auch Dampfkesselanlagen; geprüft werden sie von einer zugelassenen Überwachungsstelle.
Die Druckgeräterichtlinie der EU regelt Auslegung, Fertigung und Konformitätsbewertung von Druckgeräten, also das, was vor der Inbetriebnahme gilt, nicht die Prüfung im Betrieb. Wie sich Kessel, Druckbehälter und Rohrleitungen in Wärmekraftwerken überwachen und prüfen lassen, beschreibt ein Standard des Kraftwerksverbands VGB, heute vgbe energy.
Für den Arbeitsschutz verweist die Berufsgenossenschaft der Branche, die BG ETEM, auf die DGUV Regel 103-009 „Wärmekraftwerke und Heizwerke“. Was die Kraftwerksinstandhaltung bewegt, zeigte die vgbe-Konferenz „Instandhaltung in Kraftwerken“ 2025: Umbau der Erzeugung, unklare Abschaltzeitpunkte, Fachkräftemangel. Ein Vortrag dort stellte vor, wie Innenraumdrohnen in der thermischen Abfallverwertung die Wanddicke von Kesselwänden messen und mit früheren Messungen vergleichen. Die Wanddicke messen wir nicht; unser Bericht zeigt, an welchen Stellen sich diese Messung lohnt. Die Schriften und Verbände im Überblick: Regelwerk Inspektion.
Der Inspektionsbericht ist keine dieser Prüfungen und keine Prüfbescheinigung. Er liefert Bild, Aufnahmeposition und Geometrie, mit denen Betreiber und Prüfer ihre Prüfung vorbereiten.
Belege: 1, 2, 3, 15, 16
03
Wie im Kraftwerk klassisch geprüft wird – und was die Drohne beiträgt
Für die innere Prüfung muss der Kessel abgekühlt und entleert sein. Behälter, Kanäle und Schächte fallen unter die DGUV Regel 113-004 für Behälter, Silos und enge Räume. Vor jedem Einstieg stehen Gefährdungsbeurteilung, Erlaubnisschein, Freimessen und mindestens ein Sicherungsposten. Die Regel empfiehlt außerdem immer zu prüfen, ob sich das Arbeiten im engen Raum vermeiden lässt.
Die DGUV Regel 103-009 für Wärmekraftwerke zählt schon das Hineinbeugen zum Befahren und lässt es nur mit Freigabeverfahren und einem Sicherungsposten außerhalb zu. Bei der ersten Befahrung eines Kessels rechnet sie mit herabfallenden Anbackungen und heißen Ablagerungen. Ein Drohnenflug kann die Verhältnisse vor dieser ersten Befahrung zeigen; das ist unsere Folgerung, die Regel nennt keine Drohne, und Freigabe und Erstbefahrung bleiben beim Anlagenverantwortlichen. Mehr unter Befahren vermeiden.
Wo die Wände hoch sind, wird für die Inspektion ein Gerüst gestellt. Das verlängert den Stillstand und bringt Arbeit in der Höhe mit sich, die eigens abgesichert werden muss.
Die Drohne fliegt in Kessel, Kanäle und Behälter, während das Team außerhalb bleibt. Fallberichte aus Kraftwerken beschreiben dasselbe: Bild und LiDAR-Daten vom Zustand des Kessels innerhalb weniger Stunden, ohne Gerüst. In einem Stillstand nimmt dasselbe Team so eine Anlage nach der anderen auf, mit demselben Vorgehen.
Belege: 4, 9, 10, 15
04
Wie instand gesetzt wird – und warum die Aufnahme den Stillstand stützt
Neben den Prüfungen laufen in der Revision Reparaturen, Reinigung und Umbauten: am Kessel, an Maschinen-, Elektro- und Leittechnik, in der Rauchgasentschwefelung und an der Bautechnik. Spezialisten vieler Partnerfirmen arbeiten in Schichten parallel. Für diese Industriedienstleister wird der Arbeitsumfang planbar, wenn die Aufnahmen zu Beginn der Revision vorliegen.
Ein Erfahrungsbericht aus dem Kraftwerksbetrieb beschreibt den eigentlichen Engpass: Es darf nichts vergessen werden, sonst kommt es als ungeplanter Stillstand zurück. Wer zu Beginn der Revision weiß, was wo zu tun ist, kann den Umfang besser planen. Muss repariert werden, braucht es das Gerüst weiterhin, dann aber nur dort, wo es gebraucht wird: an den Stellen, die die Aufnahmen zeigen. Sieht der Betreiber in den Aufnahmen einer Anlage keinen Reparaturbedarf, braucht sie kein Reparaturgerüst; was die vorgeschriebene Prüfung an Zugang verlangt, legt die prüfende Stelle fest. Das hält den Stillstand kurz.
Die Grenzen bleiben: Wanddicken von Kesselrohren werden mit einem Prüfkopf am Rohr gemessen, nicht aus der Luft. Die Elios 3 ist nicht ATEX-zertifiziert: Wo eine explosionsfähige Atmosphäre möglich ist, klärt der Betreiber vorab, ob die Drohne fliegen darf. Bewertung, Prüfung und Freigabe bleiben bei Betreiber, Prüfern und Fachfirmen.
Belege: 5, 6, 8, 10, 11, 12, 13