01
Was Anlagen im Kraftwerk zusetzt
Wie stark Korrosion die Heizflächen eines Kessels angreift, hängt vom Brennstoff ab. Bei schwierigen Brennstoffen wie Abfall oder Biomasse können Verdampfer und Überhitzer betroffen sein, ebenso das kalte Ende des Kessels.
Hinter dem Kessel geht es weiter. Der Abgasweg ab dem Eintritt in den Absorber muss gegen aggressive Säure geschützt werden, etwa mit Gummierungen. In Feuerräumen, Rauchgaswäschern, Kohlebunkern und Aschesilos bilden sich Anbackungen, die herabfallen können.
Materialermüdung entsteht durch wiederholte Lastwechsel. Feine Risse wachsen lange unbemerkt, kritisch sind Kerben, Querschnittssprünge und Schweißnähte. Die Kamera erfasst Oberflächenrisse ab sichtbarer Größe, innere Risse findet nur Ultraschall oder ein anderes zerstörungsfreies Verfahren. Wer dieselbe Stelle in jeder Revision aufnimmt, sieht, ob sich etwas verändert hat.
Die Schäden sind so verschieden wie die Anlagen. Gemeinsam ist ihnen, dass man sie meist nur von innen sieht, und innen kommt man nur in der Revision.
Belege: 13, 14, 1
02
Wer zuständig ist: Betreiber, Prüfer und Regelwerk
Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt, dass überwachungsbedürftige Anlagen wiederkehrend auf ihren sicheren Zustand geprüft werden. Ihr Anhang zu Druckanlagen erfasst auch Dampfkesselanlagen, Dampfkessel prüft die zugelassene Überwachungsstelle. Wie sich Kessel, Druckbehälter und Rohrleitungen in Wärmekraftwerken überwachen lassen, beschreibt ein Standard des Kraftwerksverbands VGB, heute vgbe energy. Für große Feuerungsanlagen gilt die Verordnung über Großfeuerungs-, Gasturbinen- und Verbrennungsmotoranlagen, für Kühltürme die Überprüfung durch Sachverständige nach der 42. BImSchV.
Wie die innere Prüfung von Dampfkesseln und Druckbehältern abläuft, beschreibt die Technische Regel TRBS 1201 Teil 2. Der Prüfer sieht nach der drucktragenden Wand und nach Korrosion, Belägen und Ablagerungen, im Allgemeinen am geöffneten Anlagenteil durch Besichtigung, bei Bedarf ergänzt durch Spiegel, Videoskop oder Kamerasysteme. Reicht die Besichtigung bei einem Schädigungsverdacht nicht aus, folgen Ergänzungsprüfungen wie die Ultraschall-Wanddickenmessung. Laut der Mängelstatistik der zugelassenen Überwachungsstellen (Anlagensicherheitsreport 2026) gab es 2025 an Dampfkesselanlagen 26.400 Prüfungen; 78,6 % endeten ohne Mangel, 4,3 % mit erheblichen und 0,1 % mit gefährlichen Mängeln.
Für die Arbeit in der Anlage gilt die Branchenregel der Unfallversicherung, die DGUV Regel 103-009 „Wärmekraftwerke und Heizwerke“; die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) verweist für Kraftwerke darauf. Sie umfasst auch Müllverbrennungsanlagen. Befahren heißt dort schon das Hineinbeugen. Es braucht ein Freigabeverfahren, eine Befahrerlaubnis und einen Sicherungsposten außerhalb. Für enge Räume gilt außerdem die DGUV Regel 113-004 für Behälter, Silos und enge Räume. Sie empfiehlt immer zu prüfen, ob sich das Arbeiten darin vermeiden lässt, und nennt als Beispiel Inspektionen mittels Kameratechnik. Für die Inspektion per Drohne fährt niemand ein, mehr dazu unter Befahren vermeiden. Kraftwerke können als kritische Anlagen im Sektor Energie unter das KRITIS-Dachgesetz fallen.
Der vgbe nennt in seinem Rückblick auf die Konferenz „Instandhaltung in Kraftwerken“ 2025 einen Vortrag dazu, wie Innenraumdrohnen in der thermischen Abfallverwertung die Wanddicke von Kesselwänden messen und im Vergleich mit früheren Messungen den Zustand nachvollziehbar machen. Die Wanddicke messen wir nicht; unser Bericht zeigt, an welchen Stellen sich diese Messung lohnt. Als Druck auf die Instandhaltung beschreibt der Verband den Umbau der Erzeugung, unklare Abschaltzeitpunkte und den Fachkräftemangel. Den Fachkräftemangel sehen auch Erwerbstätige quer durch alle Branchen: Laut dem DGUV Barometer Arbeitswelt 2026, einer forsa-Befragung von 2.015 Erwerbstätigen im Februar 2026, nennen ihn 51 % als große wirtschaftliche Herausforderung, nach Bürokratie und Vorschriften mit 56 %. Standard und Konferenz sind mit weiteren Schriften unter Regelwerk Inspektion eingeordnet.
Nach den Musterbedingungen des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) für die Maschinenversicherung berücksichtigt der Zeitwert einer Maschine Betriebszustand, Abnutzung und Instandhaltung. Schäden durch Abnutzung, korrosive Angriffe und übermäßige Ablagerungen wie Kesselstein sind nach dem Muster nicht versichert, mit Rückausnahmen; der einzelne Vertrag kann abweichen. Verschleiß an Heizflächen bleibt so in der Regel Sache der Instandhaltung des Betreibers. Der Bericht ist Dokumentation zur Vorlage und Abstimmung mit dem Versicherer; was als Nachweis reicht, klären wir vorab an der konkreten Anforderung, mehr unter Inspektionsbericht Versicherung.
Der Inspektionsbericht ist keine dieser Prüfungen und keine Prüfbescheinigung. Er liefert Bild, Aufnahmeposition und Punktwolke, mit denen Betreiber und Prüfer ihre Prüfung vorbereiten. Wir liefern Informationen für die Planung sicherer Arbeiten; Gefährdungsbeurteilung und Freigabe bleiben beim Betreiber.
Belege: 3, 24, 25, 7, 23, 27, 5, 6, 1, 2, 4, 22, 8
03
Wie Revisionen klassisch laufen – und was die Drohne beiträgt
In der Revision wird ein Block planmäßig heruntergefahren. Dann laufen die wiederkehrenden Prüfungen nach Gesetzen und Vorschriften, dazu Kontrollen, Reinigung und Reparaturen an Kessel, Maschinen, Elektro- und Leittechnik, Rauchgasentschwefelung und Bautechnik. Solange der Block steht, erzeugt er keinen Strom. Vorher muss das Kesselhaus abkühlen, und für viele Arbeiten werden Gerüste gestellt.
Die erste Befahrung eines Kessels gilt nach der Branchenregel als besonders gefährlich: Anbackungen können herabfallen, Staub und Asche können noch heiß sein. Feuerräume, Rauchgaskanäle, Wäscher und Bunker nennt die Regel ausdrücklich bei der Absturzgefahr.
Wartung und Reparatur tauchen auch im Störfallgeschehen auf. Von den 22 meldepflichtigen Ereignissen, die die Zentrale Melde- und Auswertestelle (ZEMA) beim Umweltbundesamt 2020 in Betriebsbereichen nach der Störfall-Verordnung registrierte, fielen 5 in Wartung oder Reparatur, nach dem laufenden Prozess der zweithäufigste Betriebszustand. Die Zahlen stammen aus dem jüngsten Jahresbericht der ZEMA, gelten branchenübergreifend und sagen nichts über die Ursache.
Die Drohne übernimmt die erste Sicht. Sie fliegt in Kessel, Kanal und Behälter, das Team bleibt außerhalb. Fallberichte aus Kraftwerken beschreiben dasselbe: Bild und LiDAR-Daten vom Zustand des Kessels innerhalb weniger Stunden, ohne Gerüst. So passen viele Anlagen in dieselbe Revision. Dasselbe Team nimmt sie nacheinander auf, mit demselben Vorgehen. Wo die Aufnahmen an Rohren oder Wänden etwas zeigen, setzt danach die Wanddickenmessung am Bauteil an. Wie Drohnenaufnahme und Messung zusammenspielen, zeigt Ablauf der Drohneninspektion.
Belege: 9, 10, 11, 1, 26, 15, 16, 18
04
Was im Stillstand instand gesetzt wird – und warum die Aufnahme ihn kurz hält
Neben den Prüfungen laufen Reparaturen und Umbauten. Spezialisten vieler Partnerfirmen arbeiten parallel.
Ein Erfahrungsbericht aus dem Kraftwerksbetrieb nennt den eigentlichen Engpass: Es darf nichts vergessen werden, sonst kommt es als ungeplanter Stillstand zurück. Wer am Anfang der Revision weiß, was wo zu tun ist, plant den Umfang sicherer. Zeigt die Aufnahme keinen Reparaturbedarf, entfällt das Gerüst für diese Anlage. Ist eine Reparatur nötig, steht das Gerüst nur dort, wo die Aufnahmen sie zeigen. So nutzt die Drohne den geplanten Stillstand optimal und hält ihn kurz. Gerüstbau, Kesselbau und Isolierung erfahren damit vor der Revision, wo sie gebraucht werden; wie Partnerfirmen daraus ihre Arbeitspakete ableiten, beschreibt die Seite Drohneninspektion für Industriedienstleister.
Die Grenzen bleiben: Wanddicken misst ein Prüfkopf am Rohr, nicht die Kamera. Weder die Elios 3 noch die DJI M30T ist ATEX-zertifiziert: Wo eine explosionsfähige Atmosphäre möglich ist, klärt der Betreiber vorab, ob die Drohne fliegen darf.
Belege: 9, 12, 16, 18, 17