01
Was den Wänden eines Müllbunkers zusetzt
Schwere Stahlgreifer stoßen beim Greifen zwangsläufig an die Wände. Beton platzt heraus, die Betondeckung geht verloren, die Bewehrung liegt frei. Rutschender Abfall trägt die Oberfläche zusätzlich ab.
Im Beton schützt das alkalische Porenwasser die Bewehrung, solange die Deckung dick genug und unbeschädigt ist. Fehlt sie, dringen Kohlendioxid und Chloride bis zum Stahl vor, und mit Feuchte rostet er. Rost braucht mehr Platz als Stahl und sprengt weiteren Beton ab. Proben aus mehreren Müllbunkern zeigten hohe Karbonatisierungstiefen, erhöhte Chloridgehalte und zu geringe Betondeckung.
Genau diese Schadensbilder nennen die Befundtexte dieses Projekts: Abplatzungen, Betonabtrag, fehlender Kantenschutz, fehlende Schutzbeplankung und offenliegende Bewehrung.
Belege: 1, 2, 3, 4
02
Wer zuständig ist und was vor dem Einstieg gilt
Für den Bunker als Bauwerk ist der Eigentümer verantwortlich. Die Bauministerkonferenz empfiehlt eine Überprüfung in Stufen: eine Begehung durch den Eigentümer, eine Sichtkontrolle durch eine fachkundige Person und eine eingehende, handnahe Überprüfung durch eine besonders fachkundige Person. Für bauliche Anlagen außer Brücken und Tunneln beschreibt die VDI-Richtlinie 6200 die regelmäßige Überprüfung der Standsicherheit. Empfohlen sind Berichte mit Fotodokumentation und ein Bauwerksbuch.
Wer in den Bunker einsteigt, arbeitet nach der DGUV Regel 113-004 „Behälter, Silos und enge Räume“; in einigen Branchen heißt ein Silo auch Bunker. Vorher stehen Erlaubnisschein, Freimessen und in der Regel ein Sicherungsposten. Die Regel empfiehlt außerdem zu prüfen, ob sich das Arbeiten im Bunker vermeiden lässt, zum Beispiel durch Inspektionen mit Kameratechnik. Für Wärmekraftwerke und Heizwerke zählt die DGUV Regel 103-009, die die BG ETEM für ihre Branche nennt, Bunker und Silos zu den Anlagenteilen mit typischer Absturzgefahr beim Befahren. Warum für die Aufnahme niemand in den Bunker muss, steht unter Befahren vermeiden; welche Schriften hier zusammenkommen, unter Regelwerk Inspektion.
Der Inspektionsbericht ist keine Überprüfung und kein Erlaubnisschein. Er liefert Fotos und Lage für diese Schritte, also Wand und Wandabschnitt, an dem die Stelle sitzt.
Belege: 5, 6, 7, 8, 17
03
Wie der Beton klassisch geprüft wird – und was die Drohne beiträgt
Vor jeder Instandsetzung erfasst ein sachkundiger Planer den Ist-Zustand, so verlangt es die Technische Regel Instandhaltung des DIBt. Abplatzungen, Rostfahnen und Anprall zeigt der Augenschein. Betondeckung, Chloridgehalt, Karbonatisierung und Festigkeit werden am Bauteil gemessen oder aus Proben bestimmt, korrodierende Bewehrung etwa mit der Potentialfeldmessung. An den hohen Wänden braucht das Arbeiten aus der Nähe ein Gerüst.
Die Drohne nimmt die Wände aus der Nähe auf, ohne Gerüst und ohne Einstieg, und die Aufnahme dauert Stunden statt Tage oder Wochen. Zu jedem Fotopunkt gehören Foto und Aufnahmeposition. So entsteht zuerst die Übersicht über alle Wände; Abklopfen, Bohrkerne und Messungen am Bauteil folgen nur dort, wo die Aufnahmen etwas zeigen. Der Planer sieht, wo sich Proben und Messungen lohnen, und findet die Stellen wieder.
Eine Pilotstudie der Bundesanstalt für Straßenwesen nennt Drohnen eine sinnvolle Ergänzung vieler Prüfaufgaben: Sichtbare Schäden ließen sich gut feststellen, Rissbreiten nicht exakt messen. Bewertung, Ursachen und Messprogramm bleiben beim Planer.
Belege: 2, 9, 10, 11
04
Wie instand gesetzt wird – und warum die Aufnahme die Planung stützt
Geschädigter Beton wird abgetragen, in Müllbunkern mit Hochdruckwasserstrahl. Die Bewehrung wird entrostet und geschützt, die Deckung neu aufgebaut, meist mit Spritzbeton, teils mit Stahlfasern und Ankern. Wo die Greifer am stärksten treffen, schützen Verschleißbleche oder eine Schutzbeplankung aus Stahl die Wand. Verfahren und Produkte legt der sachkundige Planer fest, nach der Technischen Regel und der Normenreihe DIN EN 1504.
Die Linien einer Abfallverbrennungsanlage gehen einzeln in Revision, oft einmal im Jahr. Der Bunker versorgt mehrere Linien und läuft meist weiter, saniert wurde deshalb in Bauabschnitten hinter einer Schutzwand. Je genauer die Schäden vorher eingegrenzt sind, desto kleiner kann der Sanierungsumfang ausfallen. In einem Müllheizkraftwerk erlaubte eine Bewertung nach Dringlichkeit eine Sanierung in gestaffelten Schritten.
Ausgeführt wird die Sanierung von Fachfirmen für Betoninstandsetzung und Spritzbeton. Kennen sie die Schäden vorher mit Foto und Lage, planen sie Abschnitte, Material und Gerüst genauer, und eingerüstet wird nur dort, wo gearbeitet wird. Wie Industriedienstleister die Aufnahmen für ihre Revisionsplanung nutzen, steht unter Drohneninspektion für Industriedienstleister.
Weil die Aufnahme nur Stunden dauert, lassen sich in derselben Revision weitere Anlagenteile aufnehmen. Wiederholte Aufnahmen derselben Wände zeigen, wie sich Schäden entwickeln.
Belege: 2, 4, 9, 12, 13, 14, 15