01
Was dem Becken und seinem Beton zusetzt
Ein Regenrückhaltebecken speichert Regenwasser für kurze Zeit und gibt es verlangsamt weiter. Aus Beton gebaut, braucht es wenig Platz und kann unter der Erde liegen.
Im Becken fließt das Wasser langsamer, absetzbare Stoffe sinken als Schlamm zu Boden. Diese Schicht wächst und kann die Funktion des Beckens beeinträchtigen. An den feinen Teilchen haften die meisten Schadstoffe.
Für den Stahlbeton gilt wie überall: Die Bewehrung ist durch das alkalische Porenwasser geschützt, solange die Betondeckung dick genug und unbeschädigt ist. Dringen Kohlendioxid (Karbonatisierung) oder Chloride bis zum Stahl vor, rostet er mit Feuchte, sprengt Beton ab und verliert Querschnitt. Ein Becken, in dem regelmäßig Wasser steht, ist dauerhaft feucht. In dieses Becken kann neben Niederschlagswasser auch Prozesswasser gelangen. Je nach Zusammensetzung des Wassers kann dann auch Sulfat den Beton angreifen und das Gefüge von innen treiben.
An der Oberfläche zeigt sich korrodierende Bewehrung oft durch Rostfahnen, Risse entlang der Stäbe, Ausblühungen und Abplatzungen. Rostfahnen können aber auch von Einbauteilen kommen; welche Ursache vorliegt, sagt das Foto allein nicht.
Ein Projektbericht über die Sanierung zweier älterer Regenbecken nennt angegriffenen Beton bis hin zu einer Waschbeton-Struktur, versprödete und undichte Fugen, Risse sowie korrodierte Bewehrung und Einbauten. Ein undichtes Becken kann Wasser in den Boden abgeben.
Belege: 8, 9, 10, 13
02
Wer für das Becken zuständig ist
Gesammeltes Regenwasser von bebauten oder befestigten Flächen gilt nach dem Wasserhaushaltsgesetz als Abwasser, das Becken damit als Abwasseranlage. Der Betreiber muss sie nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik betreiben und unterhalten und ihren Zustand selbst überwachen.
Die Einzelheiten regeln die Länder. Die Eigenkontrollverordnung in Baden-Württemberg zum Beispiel verlangt für Anlagen der Regenwasserbehandlung Sichtkontrollen auf Ablagerungen und Verstopfungen, vor allem nach Regenereignissen. Ein Leitfaden aus Schleswig-Holstein empfiehlt ein Betriebsbuch je Anlage, mit Fotos und der Dokumentation der Kontrollen. Wie solche Bauwerke zu gestalten und auszurüsten sind, beschreibt das Arbeitsblatt DWA-A 166. Wie ihr Zustand erfasst und beurteilt wird, soll künftig die neue Merkblattreihe DWA-M 148 für Sonderbauwerke regeln; der Entwurf des ersten Teils vom Juni 2026 verweist auf die Grundlagennorm DIN EN 13508-1, die neben Kanälen ausdrücklich auch Becken, Schächte und Regenüberläufe einbezieht. Es ist ein Entwurf, der Inhalt kann sich bis zur Endfassung ändern.
Wer in ein geschlossenes Becken einsteigt, arbeitet nach der DGUV Regel 103-003 für umschlossene Räume abwassertechnischer Anlagen. Die DGUV Information 209-015 „Instandhaltung an Maschinen und Anlagen“ zählt Kanäle, Schächte und Hohlräume von Bauwerken zu den engen Räumen und empfiehlt, immer zu prüfen, ob sich die Arbeit dort vermeiden lässt; als Beispiel nennt sie Inspektionen mit Kameratechnik. Wie das für die Inspektion per Drohne begründet ist, steht unter Befahren vermeiden, die Übersicht der Schriften unter Regelwerk Inspektion.
Der Inspektionsbericht liefert Fotos mit Aufnahmeposition für dieses Betriebsbuch. Die Kontrolle selbst bleibt beim Betreiber.
Belege: 1, 2, 3, 4, 5, 9, 12, 20, 19
03
Wie der Betonzustand klassisch geprüft wird – und was die Drohne beiträgt
Klassisch wird das Becken begangen. Ein geschlossenes Becken gilt dabei als umschlossener Raum einer abwassertechnischen Anlage, auch für Inspektionen. Die Branchenregel der Unfallversicherung verlangt vorher eine Gefährdungsbeurteilung und Freimessen, oft einen Erlaubnisschein, einen Sicherungsposten über Tage und Rettungsausrüstung.
Den Zustand des Betons erfasst vor jeder Instandsetzung ein sachkundiger Planer, so verlangt es die Technische Regel Instandhaltung von Betonbauwerken. Vorhandene Berichte über den Zustand gehören ausdrücklich dazu.
Die Drohne fliegt durch den Schacht und nimmt das Becken auf, während das Team oben bleibt: Bild, Aufnahmeposition und Punktwolke. Die Aufnahme dauert Stunden statt Tage oder Wochen. In abwassertechnischen Anlagen können sich Gase sammeln und eine explosionsfähige Atmosphäre bilden. Die Elios 3 ist nicht ATEX-zertifiziert: Ob die Drohne fliegen darf, klärt der Betreiber vorab in der Gefährdungsbeurteilung. Freimessen dient dem Schutz der Personen im Becken; weil für die Aufnahme niemand einsteigt, entfällt es für Personen. Vor einer späteren Instandsetzung, bei der Menschen hinein müssen, bleibt es.
So liefert die Drohne zuerst die Übersicht über das ganze Becken, und Fachleute gehen danach gezielt an die Stellen, die die Aufnahmen zeigen. Was das Bild zeigt und was sie am Bauteil messen:
- Sichtbare Schäden wie Abplatzungen, Rostfahnen, Ausblühungen und Kiesnester: Inaugenscheinnahme. Dafür genügt Sichtkontakt, das leistet die Drohne
- Risse: Lage (Wand und Abschnitt) und Verlauf zeigt das Bild aus der Nähe, die Rissbreite wird handnah gemessen
- Karbonatisierung, Chloridgehalt, Feuchte: Proben aus dem Bauteil, Analyse im Labor
- Korrosion der Bewehrung: Potentialfeldmessung am Bauteil
- Festigkeit: Bohrkerne, ergänzend der Rückprallhammer
Belege: 5, 6, 7, 10, 11, 14, 15, 16
04
Wie instand gesetzt wird – und warum die Aufnahme die Planung stützt
Wird die Schlammschicht zu hoch, wird das Becken geräumt. Beton und Fugen werden saniert: alte Fugen ausgeräumt und neu abgedichtet, Risse gefüllt, freiliegende Bewehrung behandelt, korrodierte Einbauten ersetzt.
Welche Verfahren passen, legt der sachkundige Planer fest, ausgehend vom erfassten Ist-Zustand. Ein Inspektionsbericht mit Fotos und Aufnahmepositionen zeigt ihm, wo er messen und Proben nehmen muss.
Ausgeführt wird die Sanierung von Fachfirmen für Betoninstandsetzung und Abdichtung. Mit Fotos und Lage kennen sie den Arbeitsumfang schon vor dem ersten Einstieg und können Räumung, Zugang und Material genauer planen; wie Industriedienstleister solche Berichte nutzen, steht unter Drohneninspektion für Industriedienstleister. Eine zweite Aufnahme Jahre später macht Veränderungen vergleichbar.
Belege: 9, 10, 11