01
Was Leitungen, Kanälen und Rohrbrücken zusetzt
Eine Brücke bewegt sich: Sie dehnt sich bei Wärme, schwingt unter Verkehr und Wind und wird beim Lagerwechsel angehoben. Leitungen und Halter müssen das mitmachen. Für Gasleitungen an Brücken verlangt die Richtlinie für Leitungen an Brücken deshalb Sicherungsmaßnahmen gegen solche zusätzlichen Beanspruchungen. Das DVGW-Arbeitsblatt für freiverlegte Gasleitungen behandelt Wärmedehnung, Aufhängungen und Korrosionsschutz.
Besonders anfällig sind die Stellen, an denen ein Rohr aufliegt oder in einer Schelle sitzt. Dort entsteht ein Spalt, in dem Wasser stehen bleibt; die Beschichtung weicht auf, und Korrosion setzt ein. Unter dem Überbau sitzen Vögel auf den Trägern, Kot greift den Korrosionsschutz an. Über einem Fluss kommen Hochwasser und Treibgut hinzu; eine Dokumentation im Auftrag des DVGW nennt beschädigte und abgerissene Brückenleitungen.
Unter Gelände ist es die Feuchte. Ein Fachartikel zu Kabeltunneln nennt Risse und Korrosion als häufigste bauliche Probleme. An verzinkten Kabeltragsystemen bildet sich bei Nässe Weißrost, in engen Spalten Spaltkorrosion. Was davon an einer Anlage vorliegt, zeigt erst die Aufnahme aus der Nähe.
Belege: 1, 2, 9, 10, 11, 12, 13
02
Wer zuständig ist: Netzbetreiber, Baulastträger, Berufsgenossenschaft
Das Energiewirtschaftsgesetz verpflichtet Netzbetreiber, ein sicheres, zuverlässiges und leistungsfähiges Netz zu betreiben und zu warten. Energieanlagen sind so zu betreiben, dass die technische Sicherheit gewährleistet ist; bei Gas gilt das als erfüllt, wenn die technischen Regeln des DVGW eingehalten sind, etwa das Arbeitsblatt zur Überprüfung von Gasrohrnetzen. Hängt eine Leitung an einer Brücke, ist die Zuständigkeit geteilt: Die Befestigungen am Bauwerk prüft der Baulastträger, der die Brücke nach DIN 1076 prüft, die Halterungen der Leitung der Netzbetreiber. Die Richtlinie gilt für Leitungen der öffentlichen Versorgung, darunter Elektrizität, Gas, Wasser und Fernwärme.
Kanäle und Schächte nennt die DGUV Regel 113-004 als Beispiele für enge Räume; für Schächte und Kanäle von Fernwärmenetzen verweist sie zusätzlich auf die DGUV Regel 103-002. Die DGUV Information 209-015 zählt Schächte, Kanäle und Kastenträger von Brücken zu den engen Räumen. Beide Schriften empfehlen, immer zu prüfen, ob sich die Arbeit dort vermeiden lässt, und nennen als Beispiel Inspektionen mit Kameratechnik. Die BG ETEM, die in ihren Brancheninformationen die Energieversorgung führt, nennt Drohnen in ihrem Mitgliedermagazin ein wirksames Werkzeug im Arbeitsschutz. Gegen Absturz stellt die BG BAU Verfahren an die erste Stelle, bei denen niemand in den Gefahrenbereich muss. Für die Inspektion per Drohne steigt niemand ein; Freimessen dient dem Schutz der Personen im Raum, deshalb entfällt es für die Aufnahme, die Begründung steht unter Inspektion ohne Freimessung. Weder die Elios 3 noch die DJI M30T ist ATEX-zertifiziert: Ob eine Drohne im Ex-Bereich fliegen darf, klärt der Betreiber vorab. Die Schriften im Überblick zeigt Regelwerk Inspektion.
Strom-, Gas- und Fernwärmeversorgung gehören zum Sektor Energie der kritischen Infrastruktur, Anlagen können unter das KRITIS-Dachgesetz fallen. Der Branchenverband BDEW mahnt, das Bewusstsein für den Umgang mit sensiblen Informationen und Daten zu schärfen, und beschreibt einen Wechsel von Sicherheit zu Resilienz. Mehr dazu unter Drohneninspektion KRITIS. Die Musterbedingungen des GDV für die Maschinenversicherung nehmen Schäden durch Abnutzung und korrosive Angriffe vom Schutz aus, mit Rückausnahmen; was ein Bericht gegenüber dem Versicherer leisten kann, steht unter Inspektionsbericht Versicherung.
Der Inspektionsbericht ist keine Leitungsprüfung, keine Bauwerksprüfung und kein Gutachten. Wir liefern Informationen für die Planung sicherer Arbeiten; Prüfung, Gefährdungsbeurteilung und Erlaubnisschein bleiben beim Betreiber.
Belege: 4, 5, 3, 1, 6, 14, 15, 16, 17, 25, 18, 19, 20, 21, 22
03
Wie klassisch geprüft wird – und was die Drohne beiträgt
An die Unterseite einer Brücke kommen Prüfer klassisch mit dem Brückenuntersichtgerät, das auf der Fahrbahn steht und eine Spur sperrt; seltener mit Hubarbeitsbühne oder Boot. Der Netzbetreiber geht die Leitung ab, prüft Umhüllung und Befestigungen und misst an Korrosionsstellen die Wanddicke. An Rohrbrücken braucht es Hubsteiger oder Gerüst, oft über Werksstraßen oder Gleisen. Einen Kabelkanal gehen Fachleute ab, nach Einstieg durch den Schacht, mit der ganzen Vorbereitung für den engen Raum.
Die Drohne verschafft zuerst die Übersicht: Unter der Brücke fliegt sie Feld für Feld an den Leitungen entlang, im Kanal den Schacht hinab und über dem Wasser entlang, an der Rohrbrücke unter und über dem Tragwerk. Die Elios 3 fliegt dort, wo es eng ist; für Außenaufnahmen setzt Kopterflug zusätzlich eine DJI M30T ein. Kein Gerüst, keine Kletterer, kein Kran: Die Aufnahme dauert Stunden statt Tage oder Wochen, und mehrere Anlagen lassen sich an einem Termin aufnehmen. Die DGUV schreibt, dass sich mit Drohnen riskante Arbeitseinsätze vermeiden lassen.
Gemessen und geprüft wird danach nur dort, wo die Aufnahmen etwas zeigen. Wanddicke, Festsitz eines Halters und den Spalt unter der Schelle sieht die Drohne nicht. Eine Pilotstudie der Bundesanstalt für Straßenwesen nennt Drohnen eine sinnvolle Ergänzung vieler Prüfaufgaben an Bauwerken. Wie Drohnenaufnahme und Prüfung zusammenspielen, steht unter Ablauf der Drohneninspektion.
Belege: 7, 8, 14, 15, 27
04
Wie instand gesetzt wird – und wie der Bericht die nächste Maßnahme plant
Halter an Brücken werden aus nichtrostendem Stahl gefertigt; ein Tausch berührt Leitung und Bauwerk und wird zwischen Netzbetreiber und Baulastträger abgestimmt. Statt den Korrosionsschutz von Leitungen und Stahlbau ganz zu erneuern, kann es sinnvoll sein, ihn auszubessern; vorher wird der vorhandene Schutz geprüft und bewertet. Kleine Risse und angegriffene Stellen an Kabeltunneln werden örtlich ausgebessert. Steht eine Brücke zur Erneuerung an, werden die Leitungen vorher umgelegt.
Ein Inspektionsbericht mit Fotos und Aufnahmepositionen zeigt, an welchem Halter, welchem Kanalabschnitt und welcher Stütze etwas zu sehen ist. Untersichtgerät, Hubsteiger und Messgerät kommen dann gezielt dorthin, und Fachfirmen für Rohrleitungsbau und Korrosionsschutz kennen ihren Arbeitsumfang vor dem Termin; wie Industriedienstleister daraus Arbeitspakete ableiten, zeigt Drohneninspektion für Industriedienstleister.
Spätere Aufnahmen an denselben Stellen machen Veränderungen über die Jahre vergleichbar, etwa an Schellen, Beschichtung oder Kanalwänden. So wird aus dem Zustand von heute die Grundlage für die nächste Instandsetzung, für eine Investition in Leitung oder Kanal und für die Frage, wie lange ein Anlagenteil noch betriebsfähig bleibt. Wie das abläuft, steht unter Wiederholungsinspektion.
Belege: 1, 23, 12, 24